Am 04. Oktober 2025 trafen sich im Bürgerheim Süsterseel 216 Jahre Vereinsmitgliedschaft auf einen Schlag: Heinz Ernst lud zur gemütlichen Runde ein, um bei Kaffee und Kuchen die letzten 77 Jahre unserer Gesellschaft etwas Revue passieren zu lassen. Und dabei kam die ein oder andere Geschichte aus vergangenen Tagen ans Licht. Der Einladung gefolgt waren Arnold Ernst, Hermann Teschers, Marlies Teschers, Franz Lipperts, Heinz Plum, Monika Plum und natürlich der Gastgeber himself Heinz Ernst. Zudem waren Teile des aktuellen Vorstandes ebenfalls mit dabei, um die Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen aus vergangenen Tagen festhalten zu können. Es dauerte auch gar nicht so lange, bis die Reise in die letzten 77 Jahre losging.
Der Rotrock
Eröffnet wurde der Nachmittag mit der Geschichte, wie die Karnevalsgesellschaft „de Kleischötte“ Süsterseel e.V. an ihre im Kreisgebiet Heinsberg markanten bordeauxroten „Rotröcke“ gekommen ist. In den ersten Jahren der Gesellschaft gab es dieses Markenzeichen noch nicht. Die närrischen Herren zogen mit normalen schwarzen Anzugjacken durch die Region. Das änderte sich mit einer Bestellung der Kluser Pappmule in einer Heinsberger Schneiderei. Unsere Freunde aus Haaren bestellten dort für ihren Elferrat neue Jacketts. Als eine Abordnung der Kluser Pappmule das Ergebnis dieses Auftrags in Heinsberg begutachtete, war die Gelegenheit für die Kleischötte geboren. Den Haarenern war der Farbton der Jacketts deutlich zu dunkel und sie gaben neue Jacketts in Auftrag. Die Schneiderei stand nun mit einer großen Anzahl an bordeauxroten Jacketts ohne Abnehmer da. Heinz Borgans, zu dieser Zeit Beisitzer im Vorstand, bekam von der Situation Wind und nutzte die Gelegenheit beim Schopfe. Er machte sich sofort auf den Weg nach Heinsberg, kaufte alle Jacketts in den verschiedensten Größen für insgesamt 1.700 DM ab und gab diese „Ur-Rotröcke“ dann an die Elferratsmitglieder weiter – ein mutiger Schritt, den viele zunächst für verrückt hielten. De Kleischötte bekamen dadurch ein neues Markenzeichen: Eine bordeauxrote Smokingjacke, die bei vielen Kleischötten aufgrund der Geschichte sicherlich an der ein oder anderen Stelle etwas zwackte.
Die besondere Freundschaft von Klei und Klus
Die seit Jahrzenten bestehende enge Verbindung zwischen den Kluser Pappmulen aus Haaren und den Kleischötten spiegelt sich wohl nicht nur darin wider, dass die Kleischötte mit den eigentlich für den Haarener angedachten Smokingjacken auftraten. Einige persönliche Geschichten verbind beiden Vereine schon seit vielen Jahren. Dabei sticht eine persönliche Geschichte besonders heraus: die Geschichte von Arnold „Nöll“ Ernst. Arnold war über viele Jahrzehnte eine feste Größe in unserem Vorstand. Allein über 30 Jahre war er ununterbrochen als 1. Schatzmeister im Vorstand aktiv, später auch noch einige Jahre als Beisitzer. Als sei das nicht schon genug Engagement für den Karneval, setzte Arnold noch einen drauf. Jahrelang übte er zusätzlich das Amt des Zeremonienmeisters aus. Dafür hat er extra ein Zeremonienzepter in mühevoller Arbeit entworfen. Arnold erinnerte sich an diese Zeit zurück und kommentierte den entwickelten Totschläger mit „´t häet immer ne schoue Krach jemaakt!“. Dieser „schoune Krach“ sorgte auf einer Kostümsitzung Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre dafür, dass der damalige Präsident der Kluser Pappmule August Kirchner auf unseren Nöll aufmerksam wurde. Beide kannten sich privat bereits sehr gut. August sprach Nöll nach der Sitzung an, ob dieser es sich nicht vorstellen könnte, auch auf der Galasitzung der Kluser Pappmule als Zeremonienmeister mit seinem Zeremonienzepter aufzutreten. Nöll willigte ein – für 25 Jahre lang zog er von diesem Zeitpunkt an sowohl in Süsterseel als auch in Haaren als Zeremonienmeister auf die Bühne. Eine wahnsinnige Leistung!
Karneval in der Grenzregion
Freundschaften zu auswärtigen Vereinen beschränkten sich natürlich nicht nur auf die Kluser Pappmule. Zu vielen Vereinen bildeten sich in den vergangenen 77 Jahren sehr enge Beziehungen, die noch bis in die heutige Zeit bestehen: Der HKV aus Heinsberg, die Waaterratte aus Oberbruch und die Witsemänn aus Tüddern sind hier auf deutscher Seite als Beispiele zu nennen. Zu Gründungszeiten der KG kamen sogar Vertreter aus Tüddern und Millen, die damals auch einen eigenen Karnevalsverein hatten, nach Süsterseel, um dem jungen Elferrat beizubringen, wie man sich als echte Karnevalisten zu verhalten hatte.
Das Portfolio der Gastvereine beschränkt sich – wie sollte es in Grenznähe auch anders sein – nicht nur auf deutsche Vereine. Die Zeemplekkesj aus Merkelbeek oder Kempernaaze aus Sittard bilden das Gegenstück zu den deutschen Gastvereinen. Früher besuchten die Kleischötte jährlich den Karnevalsverein in Einighausen bei Sittard. Die gesamte Runde fing bei den Erinnerungen an die Besuche in Einighausen an zu grinsen. Die Damen in der Runde erklärten dem Vorstand, warum die Herrschaften so anfangen, zu grinsen. „Die Männer kamen immer auf allen Vieren nach Hause, wenn es nach Einighuuse ging!“. Heinz Ernst ergänzt: „Ja hüür, et waren auch immer Exzesse doar över de Grenz! Einighuuse war immer jet janz besonderes.“ Die Herren hatten nichts weiter zu ergänzen – ihnen verblieb ein stummes Lächeln auf den Lippen.
Die kleinen Anfänge
Der Karneval im Dorf zeichnete sich jahrelang durch Veranstaltung im ehrwürdigen Saal Peters aus. Dieser Saal, in dem auch Veranstaltungen von anderen Dorfvereinen abgehalten worden sind, prägte mit seinem gemütlichen Flair sämtliche Veranstaltungen unserer Gesellschaft. So war unsere Kostümsitzung schon zu Frühzeiten ein richtiges Highlight im Süsterseeler Dorfleben. Gäste kamen teilweise auch von außerhalb, nur um einmal die Süsterseel Kostümsitzung besuchen zu können. Die Kleischötte lebten zu dieser Zeit von sehr wenigen eigenen Einnahmen. Arnold berichtete, dass das Geld bzw. die Erträge aus den Veranstaltungen damals oft nicht ausreichten, um am Ende der Session auf eine schwarze Null zu kommen. Glücklicherweise gab es dann im Ort Firmen, die durch eine kleine Zuwendung die Vereinskasse der KG wieder ins Gleichgewicht brachten. Ohne diese Unterstützung wäre es auf lange Sicht gesehen sehr eng für Karneval geworden.
Der Umzug ins Zelt
In den 1970er Jahren wurde der Saal Peters für die Besucherzahlen der Veranstaltungen allmählig zu klein. Eine neue Veranstaltungsstätte musste her. Zur Session 1979/1980 ging der damalige Vorstand ein großes Risiko ein: man wollte erstmalig ein Zelt auf dem Dorfplatz legen. Leidenschaftlich wurde über weitere Optionen im Vorstand debattiert. Doch man wurde sich einig – ein Festzelt von der Firma Göbbels aus Stahe sollte her. Das Risiko bestand dennoch: 6.000 DM sollte die Zeltmiete für drei Wochen zur damaligen Zeit kosten. Arnold fügte hinzu, dass Jan Philippen – damals 1. Vorsitzender der KG – und Gerhard „Graet“ Lipperts – damals 1. Präsident – für das Zelt bürgten. 6.000 DM übertraf die Einnahmen der vorherigen Session sehr deutlich, doch die beiden sicherten dem Vorstand zu, im Falle von finanziellen Verlusten die Vereinskasse auszugleichen. Der Plan stand, jetzt galt es ihn mit Leben zu füllen.
Mit Franz Lipperts als Franz I. zog erstmalig ein Prinz in das neue Festzelt ein. Begleitet wurde er von Theo Borgans als Kinderprinz. Ein Auftakt, der nicht besser hätte gelingen können. Die Session entwickelte sich zu einem vollen Erfolg, die Besucherzahlen stiegen weiter und das zunächst befürchte finanzielle Fiasko blieb aus. Und auch für den damaligen Kinderprinzen schien es ein einschneidendes Erlebnis gewesen zu sein. Er wird den Verein viele Jahre später als 1. Vorsitzender maßgeblich prägen.
Die Session 1981/1982 stand nun vor der Tür. Für die Kleischötte eine besondere Session: das 3×11-jährige Jubiläum sollte gefeiert werden. Der Vorstand war auf der Suche nach musikalischen Acts für die Karnevalstage. Heinz Ernst trug die Idee an den Vorstand heran, dass er mit seiner Gruppe „Sunnys“ – einer Formation aus Reinhold Mühlenberg, Lothar Platzek, Jürgen Leonhards und ihm – gerne auf dem Zelt an den Karnevalstagen für Stimmung sorgen wollte. Aus dem Vorstand gab es harsche Kritik gegenüber diesem Vorschlag. „Wir sööke een gescheete Band!“ bekam er als Antwort. Man vertröstete ihn damit, dass die Gruppe am Karnevalssamstag einen Auftritt „zugestanden“ bekam. Für den so beliebten Altweiberball buchte der Verein damals die „Goldwings“. Und es kam wie, es kommen musste: die Goldwings kamen Altweiber überhaupt nicht gut an. Die Sunnys rissen das Zelt hingegen am Samstagabend richtig ab. Lothar konnte seinen Humor nicht länger verbergen und gab dann Samstagabend zu Protokoll, wer seiner Meinung nach die „gescheete Band“ war. Eine Story, mit der sich der Vorstand lange aufziehen lassen musste.
Um zwei Dinge brauchte man sich im Zelt keine Sorgen zu machen: gute Musik und die Zusammenarbeit der Dorfvereine in der VV. Jeder Dorfverein hatte früher an einem Abend Zeltaufsicht. Nun wurde diese Aufsicht am Samstagabend in einer Session durch die Schützenbruderschaft gestellt. Heinz spielte mit seiner Kapelle an jenem besagten Abend. Er klärte vorher ab, dass er immer dann vier Bier bekam, sobald er seine Finger hob. Das funktionierte auch eine ganze Zeit lange recht gut…bis auf einmal der Nachschub stockte. Die Band spielte erstmal eine Zeit lang weiter, doch es kam und kam kein Bier mehr bis an die Bühne. Heinz ging der Sache auf den Grund. Er schnappte sich seine Privatkellnerin an der Theke. Diese verwies ihn auf den Oberst der Schützen, dem das Saufgelage auf der Bühne zu weit ging. Heinz drohte an: „Hüür ens, minne kleene Mijnheer, wenn dat mit ’t Beijer nitt bal’ bäeter löppt, maake wir jede Viertelstund’ de Musik uut.“ Die Drohung verhalte kommentarlos. Nach Rückkehr auf die Bühne besserte sich die Lage weiterhin nicht. Getreu dem Motto – ein Mann, ein Wort – verstummte darauf alle 15 Minuten die Musik. Schnell brach etwas Getummel und Unruhe im Zelt aus…bis auf einmal wieder ein Tablett Bier den Weg zur Bühne erreichte. Heinz hatte „sinne kleene Mijnheer“ weichgekocht bekommen.
Mit den Jahren wuchs der Karneval immer weiter. Neue Veranstaltungsformate wie die Selfkant-Musik-Nacht oder der erste karnevalistische Frühschoppen in der Jubiläumssession 1992/1993 zogen viele Besucher in das sonst so beschauliche Dorf. Die Veranstaltungen füllten die Kassen der Dorfvereine, die alle zusammen den Karneval stemmten. So kam es in den Zeiten, als es noch keine Bankfiliale im Dorf gab, auch schon mal zu kuriosen „Wegen“, wie man die Zelteinnahmen sicher verwahren konnte. Jan Philippen nahm sich dieser Aufgabe an: Er schnappte sich das Kuvert mit den Tageseinnahmen und trat seelenruhig die Heimreise an. Am nächsten Morgen fragte Arnold ihn: „Jan, wo sind die Einnahmen von gestern? Wir müssen noch zählen.“ Jan antwortete trocken: „Die liegen bei mir sicher verstaut unter meinem Kopfkissen. Ihr wisst gar nicht, wie gut ich diese Nacht geschlafen habe!“
Oft wurden die Einnahmen früher bereits am Abend der Veranstaltung in einem kleinen Wagen neben dem Zelt gezählt. Diese Aufgabe übernahmen für viele Jahre Arnold Ernst und Gisbert Corsten. Man hatte in einer Session alles schön fein sortiert, das Geld in zählbare Einheiten gebündelt, als dann jemand gegen diesen Wagen schlug. Das ganze feinsäuberlich sortierte Geld fiel auf den Boden. Die beiden Herren liefen vor Fluchen rot an – man muss die Schreie wahrscheinlich bis Jabeek gehört haben – standen auf, schlossen den Wagen samt Geld auf dem Boden wieder ab und begaben sich gefrustet auf den Heimweg. Nöll erwähnte scherzhaft: „doar loach der janze Seek op d’r Bood. Da hatten wir ooch keene Sinn mieee!“
Die Geschichte der Elefanten
Anfang der 1990er Jahre erhielten ein paar jüngere Kleischötte in verschiedenste Vorstandsämter Einzug. Eine Mischung aus langjährigen erfahrenen Karnevalisten und jungen Personen mit neuen Ideen zeichnete den Vereinsvorstand aus. So kam es naturgemäß auch schon mal zu Reibereien während Vorstandversammlungen. Unvergessen sind die „Kämpfe“ zwischen Arnold Ernst als 1. Schatzmeister und seinem Bruder Heinz als 1. Geschäftsführer, die schon mal mit Ordnerwürfen ausgetragen wurden. Heinz erinnerte sich: „Mein Bruder saß immer wie ein Bänker auf der Kohle. Jeden Pfennig drehte er uns um. Jede neue Idee redete er uns aus. Dafür haben wir kein Geld, hieß es immer.“ Alle Anwesenden spürten die besondere Atmosphäre, die sich allmählig aufbaute, als Heinz davon erzählte. Arnold drehte sich in Heinz Richtung um – er antwortete: „Ja das war ebenso. Wir mussten damals die Pfennige beieinander halten. Das wollte mein Bruder nie verstehen“. Arnold starrte Heinz dabei mit einem Blick an – wären Ordner auf dem Tisch gewesen und die Zeit um 30 Jahre zugedreht worden, dann… – den Teil der Geschichte kennen Sie schon!
Um den „schwerfälligen“ Vorstandsmitgliedern jener Zeit eins auszuwischen, kamen die jungen Vorstandsmitglieder auf eine Idee. Sie sprachen fortan von „den auw’ Elefante“, einem Begriff, der durchaus negativ angehaucht war und nicht – so wie heute – auch mit positiven Aspekten verbunden wurde. Als die „Elefanten“ von dieser Aktion Wind bekamen, wurde die Sache schnell umgedreht. Josef „Joef“ Stassen, langjähriger Ordensgestalter der KG, entwarf einen „Elefantenorden“, der sogenannte „Elefantenausschuss“ legte verbindliche Regeln fest, die für alle „Elefanten“ gelten. Seit der erstmaligen Verleihung 1993 wird der „Elefantenorden“ als Auszeichnung an Mitglieder verliehen, die seit mindestens 11 Jahren aktive Vereinsmitglieder sind und ihren 50. Geburtstag gefeiert haben.
Prinzenwahlen
Nun zu dem spannendsten Teil der Geschichte der KG: die Wahl der Tollitäten. Früher, so berichteten die Anwesenden, wäre es eine Wunschvorstellung gewesen, hätte man eine Liste mit potenziellen Kandidaten gehabt, die für die kommenden drei oder vier Sessionen parat stehen. So berichtete Heinz Ernst, der zusammen mit seiner Frau José das letzte Prinzenpaar in der Geschichte der KG stellte, welches für zwei Sessionen im Amt war, dass in den Sessionen 1996/1997 und 1997/1998 keine weiteren Kandidaten zur Verfügung standen. „José war von mir eh alles gewöhnt, da brauchte ich nicht lange Überzeugungsarbeit leisten“, scherzte Heinz beiläufig.
Das erste Prinzenpaar, das nicht aus den internen Reihen der KG stammte, wurde in der Session 1998/1999 mit Prinz Heinz V. (Heinz Plum) und Prinzessin Monika präsentiert. Monika Plum erzählte, wie es dazu kam: Sie teilte Franz Lipperts ein paar Sessionen lang mit, dass sie es sich gut vorstellen könnte, mit ihrem Mann Heinz auch mal das Prinzenpaar in Süsterseel zu stellen. Franz nahm diese Information anfänglich nur zu Kenntnis, bis er dann eines Tages anrief. Monika – sichtlich überrascht von dem Anruf, mit dem sie nicht mehr gerechnet hätte – informierte ihren Mann darüber, der vor Schreck fast aus der Dusche fiel. „Ich habe zuerst gedacht, meine Frau will mich auf den Arm nehmen“ erinnerte er sich. Franz ergänzte, dass es nun mal früher Aufgabe des Vorstandes war, für Tollitäten zu sorgen. Dieser Aufgabe wurde er dann gerecht und nach etwas Überzeugungsarbeit bei Heinz erhielt die KG dann ein erstes Prinzenpaar aus den Reihen des Musikvereins.
Hermann Teschers, Prinz in der Session 1999/2000, berichtete von seinen Überzeugungsleistungen, die er zu leisten hatte. Seine Frau Marlies wollte unter keinen Umständen Prinzessin werden. Zuerst kam Hermann deshalb auf die Idee, zusammen mit Heinz Borgans und Reindert Brink ein Dreigestirn in der Session 1999/2000 zu bilden. Diese Idee reifte mehr und mehr aus, bis Reindert leider eine Absage erteilen musste. Hermann versuchte sein Glück bei seiner Frau – er begann zu grinsen: „Viele Anläufe waren nötig, bis ich Marlies dafür gewinnen konnte.“ Marlies ergänzte: „Ich wollte es wirklich nie machen, aber am Kleischött Begrave merkte auch ich, dass es eine wirklich schöne Zeit war.“ Ein Erlebnis, von dem viele Prinzenpaare und Dreigestirne bis in die heutige Zeit rein berichten. Das wird sich vermutlich auch in der Zukunft nicht ändern.
Geschichte Schöpp
Wahrscheinlich das markanteste Zeichen eines echten Süsterseeler Prinzen: die Schöpp. In anderen Städten, Orten und Gemeinden trägt der Prinz ein Zepter oder in Anlehnung an den Kölner Karneval eine Pritsche. Nicht so im Süsterseel. Bei den Kleischötten tragen alle Prinzen seit Prinz Winnie I. (Winnie Choitz, Session 2000/2001) die im Heinsberger Land sehr markante Prinzen-Schöpp.
Und hier die Story, wie es dazu kam: In den Sessionen vor der Jahrtausendwende gab es für alle Prinzen ein einfaches Prinzenzepter. Dieses Zepter wurde auch an Heinz Plum weitergereicht, der es in der Session aufgrund höchster Qualität mehrmals wieder zusammenbauen musste. Nach der Session machte sich Heinz daran, diesen Zustand zu ändern. Er versuchte zu recherchieren, wie so eine Kleischöpp, die früher zum Brechen bzw. Stechen des lehmhaltigen Bodens in den Gruben verwendet wurde, aussah. Dazu holte er sich viele Ratschläge ein, die dann zu einer Entwurfszeichnung führten. Schnell war klar: der Entwurf soll realisiert werden. Es ging in die Ausfertigung, die dann erstmalig in der Session 2000/2001 an einen Prinzen übergeben werden konnte. Seitdem „regiert“ der Prinz in Süsterseel mit seiner Schöpp, auf die es gut aufzupassen gilt. Jeder Verlust führt dazu, dass der Prinz einen ausgeben muss. Es soll Mösche und Rotröcke geben, die es sich jede Session zur Aufgabe machen, dem Prinzen die Schöpp möglichst unauffällig zu entwenden.
Rosenmontag
Zu Anfangszeiten der KG gab es nur alle zwei Jahre einen Rosenmontagszug. Deshalb regierten die Tollitäten sehr oft für zwei Sessionen. In der Session 1997/1998, der zweiten Session von Heinz und José Ernst, stand man damals am Rosenmontag vor der Frage: was nun? Rosenmontag zu ganz ohne Zug? Nix für Heinz und José Ernst! Hermann erzählte, dass man sich damals überlegte, was man mit den beiden anstellen konnte. Dann kam den Herren eine interessante Idee: Man führte sich für Augen, dass Heinrich „Hein“ Hensgens noch eine alte kleine Kutsche besaß. Diese Kutsche holte man bei Hein ab, setzte das Prinzenpaar rein und zog in Begleitung des Trommler- und Pfeiferkorps einmal durchs Dorf. Das sollte der Auftakt für einen jährlichen Rosenmontagszug werden. Arnold ergänzte, dass es früher auch keine so strengen Vorgaben gab, wie es heutzutage der Fall ist. Die Organisation des Zuges lag früher deshalb auch noch in den Händen des gesamten Vorstandes. Einen richtigen Zugleiter, wie es ihn heute gibt, gab es damals noch nicht. Das war schlicht weg noch nicht notwendig.
Die Geschichte des Kleischött – ein Stück Heimat
Eine mannesgroße Figur aus echtem Söstersieler Klei begleitet seit den ersten Tagen jede Karnevalsveranstaltung im Dorf. Arnold erinnerte sich, dass die Idee dazu bereits im Gründungselferrat der KG bestand. Diese Figur wurde im alten Panneschopp aus originalem süsterseeler Lehm gebrannt und durch den damaligen niederländischen Landdrost auf der ersten Sitzung in Süsterseel präsentiert. Er übernahm die Patenschaft für die Figur und den gesamten Verein. Im Laufe der Jahre änderte sich das Erscheinungsbild des Kleischött ein wenig: Er erhielt Arbeitsschuhe und einen alten Overall, wie er früher in den Lehmgruben verwendet wurde. Eng verbunden mit dieser Figur ist auch das alljährlich am Veilchendienstag stattfindende Kleischött Begrave. Arnold erwähnte, dass es diese Zeremonie auch schon seit den Gründungstagen der Gesellschaft gibt. Sie bildet den traditionellen Abschluss einer jeden Session im Dorf – zu dem es natürlich auch vereinzelte Tränen gibt.
Viele Geschichten aus vergangenen Tagen wurden an diesem Samstag in einer derart lebendigen Art und Weise erzählt, dass man als objektiver Zuhörer stellenweise das Gefühl hatte, man stünde selbst mitten im Geschehen. Zum Abschluss gab es noch ein Foto, das wohl so seines gleichen suchen wird: Nach über 30 Jahren fanden Zeremonienmeister Arnold und sein Zeremonienzepter nochmal zueinander!
Auf die nächsten 7×11 Jahre Karnevalsgesellschaft „de Kleischötte“ Süsterseel e.V.



