KG De Kleischötte Süsterseel e.V.
Gegründet 1949

Karneval mit Tradition in schwieriger Zeit
1949, vier Jahre nach dem Ende des unseligen 2. Weltkriegs, gab es sicher auch im Selfkant nicht viel zu lachen. Aber die Menschen wollten mal wieder fröhlich sein und so kam es nicht von ungefähr, dass der Karneval hier ein Stückmenschliches Miteinander und Fröhlichkeit in den Alltag zurück brachte. Der Selfkant stand unter niederländischer Auftragsverwaltung, aber das Brauchtum Karneval – auch in der niederländischen Provinz Limburg gern gefeiert – konnte in den schwierigen Aufbaujahren viel Gutes zur Überwindung der damaligen Probleme beitragen. Als der Selfkant im Jahre 1963 dann wieder der Bundesrepublik Deutschland angegliedert wurde, konnte wieder ein erheblicher Teil Karnevalstradition sowohl in den VKAG als auch in den Deutscher Karneval e.V. integriert werden.

Rosenmontagszüge gab es von Erzählungen her in Süsterseel schon um 1890. Aufzeichnungen oder Dokumente aus dieser Zeit bis nach dem 2. Weltkrieg sind leider nicht mehr vorhanden. Den Anstoß zur Vereinsgründung gaben allerdings erst im Jahr 1949 Heinrich Görtz und Arnold Hensgens, wobei man damals weniger an eine "Fastnachtsgesellschaft" sondern eher an volkstümlichen Karneval – speziell für einen Rosenmontagszug – dachte. In Verschiedenen Zusammenkünften in den Süsterseeler Gaststätten kristallisierten sich bald die echten Karnevalisten heraus. So kam was kommen musste, in einer dritten Versammlung in der damaligen Gaststätte Brepols wurde am 11.11.1949 die Karnevalsgesellschaft "de Kleischötte" gegründet. Zweck und Ziel der Gesellschaft war die Erhaltung volkstümlicher Bräuche – vornehmlich des Karnevals. Der Gründungsvorstand ging also an die Arbeit, den Karneval in Süsterseel neu zu beleben. Unter dem Vorsitz von Franz Lipperts wurde Jakob Ernst Geschäftsführer, Hubert Beckers Kassierer, Willi Münten erster Sitzungspräsident und Lambert Hermanns Zeremonienmeister.

"D’r Kleischött" – aus Heimaterde gebrannt.
Heimatverbundenheit und Heimatbezug waren immer schon Merkmale des rheinischen Karnevals. Dies spiegelt sich in vielen Dialekt-Namen der hiesigen Karnevalsvereine wider. Als "Klei" wird im Selfkantdialekt Lehm bezeichnet, und "Schött" ist unter anderem die Übersetzung für einen Schützen. Zur Entstehungszeit der Kleischötte bezeichnete man mit “Schött” aber auch den Menschen in der Ziegelei (Panneschopp) – hier wurden zuerst Dachziegel (Panne) und später Klinker produziert – der den Klei mit einem speziellen Spaten stach und abtransportierte.

So wurde der "Kleischött" auch die Symbolfigur der jungen Süsterseeler Karnevalsgesellschaft. Der 1949 amtierende Landdrost (Bürgermeister während der niederländischen Auftragsverwaltung) Hubert Dassen übernahm die Patenschaft über den neuen Verein und enthüllte bei der ersten Kappensitzung einen in Mannsgröße aus Süsterseeler Klei gebrannten "Kleischött". Diese Figur ist noch heute Symbol des Vereins und wird bei unserem Vereinsmitglied Willi Dahlmanns aufbewahrt. Er ist bei allen karnevalistischen Veranstaltungen im Festzelt präsent und steht am Veilchendienstag im Mittelpunkt bei der Zeremonie des "Kleischött-Begrave".

Von ersten Anfängen zum Selbstläufer
Am 11.11.1949 gegründet fand bereits im gleichen Monat die erste Kappensitzung statt, eine ganz besondere Leistung! Die erste Karnevalssitzung in Süsterseel überhaupt wurde zu einem überwältigen Erfolg. Die Gäste im Saal Peters staunten nicht schlecht, als der erste Karnevalsprinz in Süsterseel mit einer weiblichen Prinzengarde in den Saal einzog. Sie erlebten, dass Hubert Beckers als Prinz Hubert I. proklamiert wurde. Dabei ist es seitdem Tradition, den Namen des Prinzen bis zur Proklamation (die heute beim Sessionsauftakt Mitte November stattfindet) geheim zu halten – meistens gelingt dies auch.

                                         Dieses Foto zeigt Prinz Jupp I. umgeben von Tanzgarde und Elferrat (1951)

Die Kappensitzungen wurden zur zentralen Veranstaltung im Süsterseeler Fastelovend. Einige eigene Kräfte und viele bekannte Künstler aus Funk und Fernsehen machten in den 80-er Jahren die Sitzungen zu einem Highlight im heimatlichen Vereinsleben. Lange Jahre wurde diese aufwändige Art des Sitzungskarnevals beibehalten. Anfang der 90-er Jahre jedoch ging auch in Süsterseel kein Weg mehr an dem Willen zur Kostenreduzierung vorbei – ein neues Konzept musste her. Es war der damalige junge Präsident Ralf Beyers, der den mutigen Schritt wagte – bei großen Bedenken innerhalb des Vorstands – es mit "eijge Lüj" zu versuchen. Die erste Sitzung mit ausschließlich eigenen Kräften war ein riesen Erfolg – und ist es bis heute. Insbesondere mit viel Lokalkolorit ausgestattet standen die Eigengewächse den Profis in nichts nach und die Bevölkerung honoriert dies mit ständig ausverkauften Veranstaltungen.

Unsere Statussymbole
Nachdem man nun schon seit längerem eine Hymne hatte, fehlte noch ein "sichtbares" Zeichen. Eine Standarte sollte her. Die Anschaffung erhielt eine breite Zustimmung der Mitglieder und so nennt die KG seit 1994 eine solche stolz ihr Eigentum. Anläßlich des 5×11 jährigen Jubiläums ist sie durch einen neuen Banner der VKAG bereichert worden.